Seit diesem Jahr hat Apple eine neue Systemschrift: San Francisco kam zunächst als Schrift der im April 2015 eingeführten Apple Watch auf den Markt und wird nun auch als neue Schriftart für iOs 9 sowie OS X 10.11 verwendet. San Francisco eint damit als neue Hausschrift sämtliche Apple Oberflächen – die der Apple Watch, iPhone, iPad und Mac.

Mit der San Francisco löst Apple die Helvetica Neue als Systemschrift ab und will damit offenbar den Schwachstellen der beliebten Helvetica entgegenwirken. Diese nämlich, erfunden 1957, schien trotz weltweiter Beliebtheit nicht so recht ins digitale Zeitalter zu passen, in dem die Endgeräte und Displays immer kleiner werden. Denn hier schwächelt Helvetica. Ursprünglich wohl kaum dafür konzipiert, immerzu am Bildschirm betrachtet zu werden, sind die Linien der Buchstaben bei kleinen Schriften einfach zu dünn und schwer lesbar.

Und hier kann die von Apple selbst entwickelte San Francisco punkten, bei der es sich – ebenso wie bei der Helvetica – um eine serifenlose Schrift handelt. Sie wurde speziell für die Betrachtung auf Displays entworfen und so optimiert, dass sie auch bei kleinen Schriftgrößen maximale Lesbarkeit bietet.

Zwei San Francisco Varianten – SF und SF Compact

Apple unterteilt die San Francisco Schriftfamilie in zwei Kategorien: Die SF wird für iOS und OS X verwendet, während die SF Compact für die Apple Watch genutzt wird. Beide Varianten verfügen wiederum über jeweils zwei unterschiedliche Versionen, die je nach Schriftgröße zum Einsatz kommen: Text und Display.

Wo liegen die Unterschiede zwischen SF und SF Compact? Beide sind „Geschwister“ hinsichtlich des Design, sie sind sozusagen verwandt - aber nicht gleich. Der größte Unterschied zeigt sich in der Ausprägung der Rundungen. Die Buchstaben der San Francisco SF sind etwas runder als die der SF Compact. Der Sinn dahinter ist nicht nur ein stilistischer, sondern vielmehr ein funktionaler: Die schmaleren Buchstaben der SF Compact verfügen über mehr Platz, was sie in ihrer kleinen Größe auf der Apple Watch besser lesbar macht.

Bei der SF wurde zudem an den Proportionen gefeilt: Die Großbuchstaben sind ein wenig kürzer und kommen den Kleinbuchstaben somit ein wenig entgegen. Die Kleinbuchstaben wiederum nehmen etwas an Höhe zu. Da Kleinbuchstaben am häufigsten gelesen werden, resultiert auch hieraus eine verbesserte Lesbarkeit.

Kurz: Die SF Compact hat aufgrund schmalerer Buchstaben mehr Platz und liefert damit eine gute Lesbarkeit. Bei der SF wurde der Größenunterschied zwischen Groß- und Kleinbuchstaben verringert, außerdem sind die Rundungen der Buchstaben ausgeprägter.

Text und Display

Sowohl die SF als auch die SF Compact ist aufgesplittet in zwei größenspezifische Versionen: Text und Display. Apple nennt dies „optical sizes“. Je nach Schriftgröße kommt die eine oder die andere zum Einsatz, wobei Display bei größeren Schriftgrößen zum Einsatz kommt und Text bei kleineren.

Die Grenze liegt bei Schriftgröße 20. Hier schaltet das System automatisch auf die passende Version um – Designer und Entwickler müssen also nicht selbst entscheiden, wann Text und wann Display benötigt wird. Die Unterschiede kennen sollten sie dennoch, denn beim Gestalten von Apps in Designprogrammen wie Photoshop entfällt die automatische Anpassung und der Designer muss selbst wissen, wann er welche Variante nehmen muss.

Typografische Features der San Francisco Schrift

Darüber gibt es spezielle Features wie zum Beispiel den vertikal zentrierten Doppelpunkt. Für gewöhnlich sitzt der Doppelpunkt unten, am Boden sozusagen. Dies ist jedoch nicht zielführend, wenn man den Doppelpunkt für die Angabe einer Uhrzeit benötigt – denn hier soll sich der Doppelpunkt in der Mitte befinden. Apple nutzt den vertikal zentrierten Doppelpunkt bei der Watch, in der Titelleiste von OS X oder auch bei der Stopwatch App.

Ein anderes Feature der San Francisco ist die alternative Darstellung der Zahlen 6 und 9. Beide Zahlen können gerade bei kleiner Schriftgröße verwirren und schnell auch mal wie eine 8 aussehen. Hierfür hat Apple zwei alternative Ausführungen mit weniger Rundungen entwickelt – der offene Teil ist dann etwas flacher und gerader und kann nicht mehr so leicht verwechselt werden. Eingesetzt wird die spezielle Form beispielsweise auf dem kleinen Ziffernblatt der Apple Watch.

Hier gibt es die Präsentation der San Francisco Schrift als Video: www.apple.com