Scrollen war im Webdesign nicht immer chic, im Gegenteil. Der User wollte Wichtiges auf den ersten Blick, ohne zu scrollen. Dies hat sich spätestens mit Einführung mobiler Endgeräte und Touchscreens grundlegend geändert.

In den ersten Jahren des Internets scrollten User tatsächlich kaum, denn anders als heute wurde noch nicht mit dem Finger auf dem Display gewischt oder am Scrollrad der Maus gedreht – stattdessen musste man klicken. Je nach Länge der Seite war dies relativ mühsam und wurde erst einfacher, als das Mausrad auf den Markt kam.

SCROLLEN ZEITSPARENDER ALS KLICKEN

Mobile Endgeräte machen längeres Scrollen heute dagegen immer notwendiger. Die Displays von Tablets und Smartphones sind klein und Scrollen ist dank Touchscreen die einfachste Art der Bedienung, wenn es darum geht, schnell zu den gewünschten Inhalten zu gelangen. Dies geht häufig schneller als sich per Klick durch die Navigation einer Website zu bewegen.

LANGE ÜBERHOLT: „USER SCROLLEN NICHT...“

Die verbreitete Annahme, User hätten eine Abneigung gegen das Scrollen, scheint überdies nicht zuzutreffen. Orientieren wir uns an der Chartbeat Studie aus dem Jahr 2013, liegt bei einer gewöhnlichen Medienwebsite 66 % der Aufmerksamkeit „below the fold“. Die User scrollen also durchaus – und das offenbar unabhängig davon, ob es Hinweise wie beispielsweise Pfeile gibt, die zum Weiterscrollen auffordern. (Via hugeinc.com.)
Mehr zur Chartbeat Studie gibt es hier: adage.com

VOR- UND NACHTEILE VON SCROLL WEBSITES

Wie weiter oben erwähnt, punkten lange Scroll Websites besonders in Sachen Schnelligkeit. Gerade auf Mobilgeräten mit kleinen Displays zahlt sich dies aus, denn hier haben sicher die wenigsten Nutzer Lust, sich umständlich durch die komplette Seite zu klicken.

Gestalter sehen sich mit dem Anstieg der mobilen User der Anforderung gegenüber, Websites auf sämtlichen Geräten lesbar zu machen. Lange Scroll Seiten oder One Page Websites machen es Designern einfacher, eine Website an verschiedene Geräte anzupassen.

Da das Prinzip des Scrollens sehr einfach und userfreundlich ist, wächst die Chance bei einer längeren Scroll Seite, dass sich User länger auf einer Website aufhalten.

Nachteil einer One Page Website beziehungsweise einer Seite mit viel Scrolling und kaum Unterseiten ist, dass sie sich nicht ganz so einfach im Bereich SEO optimieren lässt. Es empfiehlt sich, hier etwas genauer hinzuschauen, denn einige Möglichkeiten, die eine Website mit mehreren Unterseiten für's SEO bietet, fallen bei Scroll Websites weg.

Möglicherweise fühlt sich manch ein User inmitten einer Scroll Website etwas verloren und fragt sich, wo innerhalb der Seite er sich gerade befindet. Um hier die Orientierung zu wahren, kann es sinnvoll sein, mit einer „sticky Navigation“ zu arbeiten, einer mitlaufenden Navigationsleiste also, die dem User jederzeit die Möglichkeit gibt, zurück- oder woanders hinzugelangen.

Umfangreiche Scroll Websites können auf die Ladezeiten gehen, besonders beim Parallax Scrolling.

WANN IST EINE SCROLL WEBSITE SINNVOLL?

Ob eine Scroll Website sinnvoll ist oder nicht, hängt nicht allein von den Vor- und Nachteilen dieser Technik ab, es ist gleichermaßen eine Typsache. Designer und Unternehmen müssen die Art der Seite berücksichtigen – handelt es sich beispielsweise um einen Blog, der regelmäßig neuen Content bringt, dann passt eine Scroll Website wunderbar.

Ebenfalls maßgeblich ist die Frage nach der Zielgruppe und deren Nutzung mobiler Endgeräte. Ist die Zielgruppe zu großen Teilen mobil unterwegs (das sind inzwischen die meisten), bietet sich eine Scroll Website an.

Anders sieht es bei Onlineshops aus: Aufgrund der Fülle an Inhalten und des Ziels, Seitenbesucher zum Kauf zu bewegen, funktionieren hier herkömmliche Websites mit einer zusammenhängenden, übersichtlichen Navigation besser.